Printausgabe vom 04.12.2007

Hochtaunuskreis zeichnet Verein aus

Integrationspreis für „Windrose“

 

Von Anke Hillebrecht

Oberursel. Die kleine Chinesin verstand nur Bahnhof, als sie mit ihren Eltern vor wenigen Jahren nach Oberursel übersiedelte. Jetzt kann die Zwölfjährige nicht nur den Schulunterricht verfolgen, sie hat auch vor kurzem in einem Mathe-Test eine Zwei geschafft. Ähnliche Lernerfolge zeigte ein Junge aus Albanien. Auch er hat nicht nur rasch den Anschluss an die Klasse geschafft; er bekam sogar neulich in einem schwierigen A-Kurs-Test eine glatte Eins. „Unglaublich, wie schnell die Kinder lernen“, freut sich Peter List, Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) und Leiter eines vom Internationalen Verein „Windrose“ initiierten Schulprojektes. Rund 120 Mädchen und Jungen aus 15 Nationen betreut der Pädagoge derzeit.


Mehr Nicht zuletzt wegen dieses Projektes erhält der vor 31 Jahren ins Leben gerufene Verein am 12. Dezember den in diesem Jahr erstmalig vergebenen Integrationspreis des Hochtaunuskreises. Zweiter Preisträger ist der langjährige Leiter der Italienischen Gemeinde Hochtaunus, Pfarrer a. D. Don Giacomo Giacomel. Mit dem Preis will der Kreis alle zwei Jahre Vereine und Personen würdigen, die sich für die Integration der gut 28 000 Menschen im Taunus stark machen, die einen Migrationshintergrund haben – bei 227 000 Einwohnern sind dies immerhin rund zwölf Prozent.

Der Oberurseler Verein „Windrose“ war vor drei Jahren bereits ebenfalls der Erste, der mit dem Integrationspreis des Landes Hessen ausgezeichnet wurde. „Um die Begegnung und Verständigung zwischen ausländischen und deutschen Mitbürgern in Oberursel zu fördern“, wurde der Verein 1976 gegründet; heute ist er im Oberurseler Vereinsleben fest verankert, und die leckeren Fische, die die Mitglieder vor ihrem Vereinsheim in der Neutorallee beim Brunnenfest grillen, will auch niemand missen.

In den vergangenen Jahren fanden viele Menschen aus Osteuropa den Weg in die Neutorallee. Für sie rief die langjährige Vorsitzende des Oberurseler Vereinsrings, Marianne Borgfeld, vor gut zwei Jahren den Stammtisch „Wostok“ ins Leben. Dort tauschen sich seither um die 30 Russen, Ukrainer, Polen und slawophile Deutsche über Erfahrungen im Taunus aus und sprechen – des russischen Stammtisch-Namens eingedenk – über den Osten.

Vor allem Peter List hat sich in diesem Jahr zudem sehr für einen Schüler eingesetzt, der von der Abschiebung bedroht ist (siehe Text unten,1). Auch über die Internet-Seite der Windrose hat er mehr als 1000 Unterschriften von Menschen gesammelt, die sich für ein Bleiberecht für den jungen Afghanen einsetzen (wir berichteten). „Windrose-Vorsitzender José Veiga freut sich über die Auszeichnung: „Das sind die Früchte unserer kontinuierlichen Arbeit“, sagt er. Was mit dem Preisgeld (insgesamt 1500 Euro) passieren könnte, weiß Peter List schon: „Die Schüler brauchen dringend einen Computer.“

1) Leider war in der Printausgabe der neueste Stand von Mostafas Kampf gegen die Abschiebung nicht drin. War nur in der Tageszeitung vom 4.12.2007